Chris Ka
Geboren als Österreicher in Deutschland war mir das Dasein als Ausländer von klein auf vertraut. Wenigstens war ich in der glücklichen Lage die selbe Muttersprache zu sprechen. Wenngleich sich bereits in der Grundschule erste Schwierigkeiten mit meiner etwas guturalen Aussprache bemerkbar machten.
Fast vollständig akklimatisiert an die Lautmalung im Rheinland ging es dann leider für fünf lange Jahre nach Bayern in die Oberpfalz. Binnen 14 Tagen erlernte ich den g’scherten dörflichen Slang der Ureinwohner und konnte damit bei meiner Mutter überhaupt nicht punkten.
Als Sau-Preiss geht es einem in Bayern auch nicht wirklich gut und so zog es die Familie zurück ins Rheinland, um nun wiederum dort die Exilbayern abzugeben. Das Leben des Outlaw in verschiedenen Varianten.
Nach bestandenem Abitur verlangte der Staat (ich war mittlerweile eingebürgert) die Teilnahme an den Zwangsdiensten, die er dem männlichen Teil der Bevölkerung auch heute noch abverlangt. Ich konnte und wollte das so nicht akzeptieren und ging ins Exil nach Österreich.
Auch in Österreich, damals noch kein EU-Land, war ich dann ein Ausländer, was immerhin den Vorteil mit sich brachte, dass eine Einberufung, wozu auch immer, nicht zu erwarten war.
Ein Studium hatte ich wohl begonnen, merkte aber bald, wie sehr mich die anonyme Massenabfertigung abschreckte. Ich begann, mich mit Freunden in Proberäumen herum zu treiben. Wir gründeten Bands und spielten in verschiedensten Wiener Clubs die Musik, zu der wir in der Lage waren und die wir gut fanden. Es machte enorm Laune, war aber leider nicht von kommerziellem Erfolg gekrönt.
Nach dieser fünfjährigen Episode begab ich mich für kurze zwei Monate nach Zürich. Es galt auszuchecken, ob und wie ein Überleben dort möglich war. Die Aussichten waren nicht so rosig (kein Überleben möglich) und so führte mich die nächste Etappe nach Berlin, wo damals noch die Mauer stand. Der Gedanke daran behagte mir wenig. Da war man eingesperrt und wenn man raus wollte in die nähere Umgebung, dann musste man auch noch ein Eintrittsgeld (Zwangsumtausch) oder besser Austrittsgeld bezahlen.
Ein halbes Jahr später zeigte sich, wie schnell sich derartige Umstände ändern können. Der Mauerfall in Berlin war sicher eines der bedeutendsten Erlebnisse meines Lebens. Da war eine Stimmung in der Stadt, wie ich sie weder vorher noch nachher wieder irgendwo erlebt habe.
Stell dir vor, du gehst in einer riesigen Stadt auf die Straße und alle, aber wirklich alle Menschen, denen du begegnest, sind supergut drauf. Jeder lächelt dich an und trägt seine 1a Stimmung zur Schau, obwohl er dich normalerweise nicht mal mit dem Arsch anschauen würde. Leider dauerte dieser Zustand nur drei Tage und dann war das Kapitel “Gute Laune in Berlin” bereits wieder geschlossen. Der Berliner kehrte zu seiner gewöhnlichen Gemütslage, die etwa zwischen ärgerlich und grantig anzusiedeln ist, zurück und schimpfte von nun an über all das Ungemach, welches der Mauerfall so mit sich brachte.
Aber Berlin ist eine gute Stadt für Musik und für Musiker und es dauerte nicht lange bis ich mich auch dort wieder in Übungsräumen und Clubs herum trieb. Die Gunst der Stunde nutzend, besetzten wir ein Haus in Friedrichshain und organisierten uns in der entsprechenden Szene. Mein Sohn kam auf die Welt und diese veränderte sich drastisch. Heute ist er bereits 15 und alles ist nicht mehr so schlimm. Das Gröbste scheint überstanden, aber wer weiß, was da noch kommen wird.
Zum Abschluss meiner Zeit in Berlin schaffte ich doch noch eine Ausbildung zum Projektmanager für interaktive Medien. Manchmal geschehen noch Zeichen und Wunder. Mit dem entsprechenden Papier in der Tasche und dem nötigen Quentchen Glück besorgte ich mir einen Job in Köln und blieb dort für die nächsten drei Jahre. War auch ganz nett, aber die Liebe zog mich wieder nach Wien, wo ich seit nunmehr über vier Jahren mein Zuhause hab.
Meinen Lebensunterhalt bestreite ich derzeit selbständig im Bereich Webdesign. Wer sich dafür interessiert, sollte sich meine Website www.chris-Ka.com mal ansehen. Jobs kann ich immer noch gebrauchen. Also her mit den Anfragen!
Ich denke, ihr wisst jetzt erstmal genug und freue mich auf einen regen Dialog in diesem Blog.
Es grüßt euch