Können Italiener wählen und zählen?

Beides muss nach den letzten 48 Stunden deutlich in Frage gestellt werden.

Es ist doch zum verrückt werden! Da hat man sich so lange auf die bevor stehende Abwahl von Silvio B. gefreut und nun sowas. Satte Vorsprünge in den Exit-Polls für die Mitte-Links-Koalition und wieder völlig offener Wahlausgang am gestrigen Abend.

Es wäre wirklich eine Schande, wenn es nicht gelänge diesen Multimilliardär und Medientycoon in Italien von der Macht abzulösen. Sollte ihm das zu seinen Gunsten geänderte Wahlsystem wirklich noch einmal an die Schalthebel verhelfen?

Heute Nachmittag sieht es nicht so aus, aber man traut sich ja schon nicht mehr auf aktuelle Medienaussagen zu vertrauen. Schon fordern die momentanen Verlierer, “das Haus der Freiheiten”, eine Nachzählung der Stimmen. Kein Wunder bei einem derart knappen Ergebnis. Da werden sich doch noch ausreichend Stimmen finden lassen, die man nachträglich für ungültig erklären könnte. Das erinnert doch fatal an eine Situation, die wir von Präsidentschaftswahlen in den USA her kennen. Als noch tagelang Stimmzettel darauf geprüft wurden, ob denn die ausgestanzten Teile auch komplett herausgetrennt waren.

Da soll noch mal einer sagen, Demokratie sei nicht spannend. Das ist doch ein wahrer Nervenkitzel. Die Frage, gelingt es dem Amtsinhaber durch welche Manipulation auch immer, seinen Sessel zu behalten, rückt bei “demokratischen” Wahlen mehr und mehr in den Vordergrund.

Gibt es eigentlich noch keinen Preis, der in dieser Kategorie weltweit vergeben wird? Der “goldene Stimmzettel” für den Staats- oder Regierungschef eines demokratischen Staates, dem es gelungen ist, aus aussichtslosester Lage, nach katastrophalen Leistungen und mit den fiesesten Tricks und übelsten Verleumdungen, eine Wiederwahl zu erreichen. Besonderen Wert könnte bei der Kür auf die besonders phantasievolle Interpretation der Stimmauszählung gelegt werden.

Man könnte den Preis jährlich auf einer UNO-Vollversammlung vergeben. Als Kuratorium wären so verdiente Staatsmänner wie Lukaschenko, Putin, George W. Bush und natürlich auch viele andere geeignet.

6 Reaktionen zu “Können Italiener wählen und zählen?”

  1. nimmernational

    da die differenz der stimmen in der kammer nur ca. 25.000 ist, will slivo witz vor allem erstmal die ungueltigen ca. 500.000 stimmen ueberpruefen lassen, also ungueltige zu gueltigen wandeln.

    ein neuer dreh: mit ehemals ungueltigen stimmen will sich ein praesident seine widerwahl verschaffen.

    und er hat ja auch recht, hatte er doch kurz vor den wahlen noch versichert, dass bei ueber 80 % wahlbeteiligung (es waren 83,6) sein sieg sicher sei.

    es war ein grauenhaftes warten bis das amtl. endergebnis raus war und mittlerweile haben die demoskopen auch die entschuldigung fuer ihr versagen gefunden: die exit polls waren identisch mit den letzten umfragen vor beendigung der veroeffentlichung derselben (ca. 1 woche her). 2 tage vor den wahlen jedoch haben die bis dahin unentschiedenen sich mehrheitlich berlusconis steuergeschenken hingegeben (die natuerlich nur fiktiv waren).

    nicht erklaert haben sie, warum die ueber 100.000 befragten sich direkt nach dem urnengang nicht mehr korrekt an ihr wahlverhalten erinnern konnten.

    oder lebt der moderne demokrat sein restchen verbliebenen anarchismus mittlerweile in der mutwilligen fehlinformierung der demoskopen aus?

    irre

  2. Smartsoul

    Unser besonderer Dank gilt den “coglioni” aus dem Ausland danke dance

  3. Frenzli

    Italiener können naturlich genauso schlecht zählen wie damals die Boys in Florida.
    Eigenartig ist doch, dass ausgerechnet die machthabende Rechte mit allen Tricks immer wieder versucht die Macht zu behalten. Wer hundert mal zählt wird sicher einmal ein ihm genehmes Ergebnis erzielen. Dann muss man nur schnellstmöglich die Wahl für beendet erklären.

    Do it Berlusconi ! Count your sheeps !

    In der Schweiz wäre solch ein Verhalten, auch und gerade der Verlierer undenkbar. Demokratie ist kein Selbstbedienungsladen, wer abgewählt wird tritt zurück, basta !

    Bis dann

    Frenzli

  4. puppa

    Ist es denn die Möglichkeit!!!
    Der “presidente fuori servizio” (ausser Dienst, bzw. a.D. oder ade!!!!, sagt man bei uns), merkt nicht, dass er sich zum Kasper um nicht zu sagen Idioten der Nation macht?
    Wie verblödet muss man sein um eine verlorene Schlacht, die in aller Welt schon registriert und kommentiert wurde, nicht als solche zu akzeptieren. Senore Berlusconi, wenn Sie noch ihr Gesicht wahren wollen, dann machen Sie einen soliden Abgang und nicht so ein Kaspertheater, das wirkt sich auch auf ihre zurückliegende präsidentschaft aus. Nach dem Motto: Was haben wir (die Italiener, die doch zählen und wählen können) nur damals gewählt?!
    Ich wünsche Prodi, dem neuen Presidente, dass sein Regierungsprogramm, aller Unkenrufe zum Trotz, aufgeht und er sich mit seiner Mannschaft auf dem besseren Weg für die Italiener und Italien befindet.
    Ciao!

  5. eika

    Hat er endlich seinen Rücktritt erklärt der smarte Berlusconi
    Ich hoffe ja immer noch, dass die jetzige Regierung in Italien nicht gleich wieder futsch ist, so wie in den Jahren vor B., als sie ständig neu formiert werden musste

    Kann man jetzt wieder guten Gewissens Italienurlaub machen?
    unknown

  6. Chris Ka

    Rücktritt erklärt, aber die “totale Opposition” angedroht.

    Das erinnert mich doch schwer an Göbbels “totalen Krieg”.

    Auch verlieren will gelernt sein. Das Volk und vor allem die linken Arschlöcher haben dem Mann sein Spielzeug weggenommen und das macht ihn einfach fuchsteufelswild. Er wird all seine geballte Medienmacht und seine Kohle einsetzen, um der neuen Regierung das Leben so schwer wie möglich zu machen.

    Aber wir bleiben optimistisch, dass auch die neue Regierung es schaffen wird, sich über eine Legislaturperiode zu halten und in Italien eine andere Politik als der gesichtsgeliftete Möchtegern-Napoleon umzusetzen.

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